Vorlesen

„Lies mir was vor!“ – Vorleserinnen von LesART

Mehr als 20 ehrenamtliche Vorleserinnen aus Kamp-Lintfort und der Umgebung lesen Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen vor. Nicht nur als kulturelles Angebot in der Stadtbücherei, bei Schul- und Stadtteilfesten finden Vorlese-Veranstaltungen statt. Im Programm der Offenen Ganztagsschule, in Kindergärten, im Unterricht und im Kontakt mit Seniorenheimen kommen die Vorleserinnen zum Einsatz. Das Vorlesen für Patienten des Krankenhauses, die auf Grund ihrer Erkrankung am Lesen gehindert werden, wird immer häufiger nachgefragt.

Die Idee

LesART e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, „junge Menschen in ihrem Bestreben zu fördern, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften zu lesen“ (§2, Abs. 2 der Vereinssatzung). Und wer Kinder und Jugendliche fürs Lesen begeistern will, fängt am besten schon früh an, ihnen vorzulesen. Bei einer offenen Diskussionsveranstaltung in der Stadtbücherei Kamp-Lintfort, die im Vorfeld der Vereinsgründung im Jahr 2002 zum Thema „Leseförderung“ stattfand, wurde von einigen Teilnehmern die Idee angeregt, Vorlesemöglichkeiten zu organisieren.

Vorlesen soll auch ein soziales Angebot sein. Viele Kinder leben in einem sozialen Umfeld, in dem Lesen und Vorlesen nicht selbstverständlich ist. Jenseits des Elternhauses kommen diese Kinder erst im Kindergarten und in der Grundschule vor allem durchs Vorlesen in Kontakt mit Büchern. Die Geschichten, die erzählt werden, faszinieren alle Kleinen und lassen in deren Köpfen Bilder entstehen. Wer dieses Erlebnis einmal hatte, ist leichter motiviert, später selber ein Buch in die Hand zu nehmen und darin zu lesen. Zudem tritt das Buch so schon früh in Konkurrenz zum allgegenwärtig erscheinenden Fernsehen oder zu Medien, die keine aktive Beteiligung ermöglichen. Wie wichtig Lesen als grundlegende Kulturtechnik ist, nicht nur weil dadurch erst der Zugang zu anderen Kommunikationsformen ermöglicht wird, ist hinlänglich bekannt.

Viele Senioren haben das Problem, dass sie aufgrund von Seh- und Konzentrationsschwächen kaum noch selber etwas lesen können. Die Tageszeitung oder ein gutes Buch müssen ihnen deshalb vorgelesen werden. Dies trainiert den Geist der älteren Menschen und fördert gleichzeitig die Verständigung zwischen den ehrenamtlichen Vorleserinnen und ihren älteren Zuhörern. Im Bereich des Vorlesens für Demenzkranke herrscht in medizinischen Kreisen überdies die Meinung, dass sich das Krankheitsbild wenn nicht verbessern so doch zumindest durchs Vorlesen stabilisieren lässt.

Das Projekt

Ausgehend von der Idee, Kindern, Jugendlichen und Senioren vorzulesen, fand sich eine Gruppe von ehrenamtlichen Vorleserinnen. Der Verein zur Förderung der Lesekultur in Kamp-Lintfort, LesART e.V. und die Stadtbücherei koordinieren die Termine der rund dreißigköpfigen Gruppe und organisieren einen monatlichen Treff der ehrenamtlichen Vorleserinnen. Bei diesen Treffen in der Stadtbücherei tauschen sich die Vorleserinnen aus Kamp-Lintfort und Umgebung über ihre Erfahrungen und Probleme aus.

Vorlesen als kulturelles Angebot

Eine gute Vorlesung erweckt allein durch die Stimme das gedruckten Wort zum Leben. Daher arrangiert der Verein auch immer wieder Vorleseveranstaltungen als besonderes Kulturereignis durch seine ehrenamtlichen Mitgliedern.

Bei Schul-, Kindergarten- und Stadtteilfesten und auf dem Weihnachtsmarkt in Kamp-Lintfort: Bei den Schul- und Kindergartenfesten waren die Vorleseräume Oasen der Ruhe, die die Kinder gerne besuchten. In der Kinderbücherei wurde für unterschiedliche Altersgruppen vorgelesen und auch erzählt.

Die Organisation und Betreuung durch LesART e.V. und die Stadtbücherei Kamp-Lintfort

Die Vorleserinnen wurden durch Aufrufe in der örtlichen Presse gefunden. Das es sich hierbei bisher ausschließlich um Frauen handelt, ist Zufall. Wichtig sind die monatlichen Treffs zum Austausch von Erfahrungen und Lesetipps, die in der Stadtbücherei Kamp-Lintfort ehrenamtlich von der Leiterin, die selbst jahrelang als Kinder- und Jugendbibliothekarin begeisterte Vorleserin gewesen ist, organisiert werden. Die gegenseitige Ermutigung auch bei den zum Teil sehr schwierigen Kindern nicht aufzugeben, spielt hier eine große Rolle.

Vorträge und Fortbildungen sollen die Gruppe dazu befähigen, auf Wünsche und Vorstellungen der Kinder bzw. alten Menschen noch besser einzugehen. Dazu gehört, dass ansprechende Bücher ausgesucht werden, lebhaft vorgelesen wird und die Geschichten durch Mimik und Gestik unterstützt werden.

Leseempfehlungen erhalten die Vorleser von der Stadtbücherei regelmäßig.

Ausblick

Die beteiligten Schulen sind mit dem Angebot sehr zufrieden. Im Rahmen der Bildungspartnerschaft Bibliothek und Schule wird dies in die Kooperationsvereinbarung aufgenommen.

Für die Zukunft wird die Stadtbücherei Vorlesekoffer anbieten, die geeignete Bücher und auch einige Spiel- und Basteltipps enthalten. Diese sind dann den Vorlesern zum Einsatz in ihrer Einrichtung vorbehalten.

Interesse?

Wir suchen weitere begeisterte Leser, die gerne regelmäßig und ehrenamtlich vorlesen möchten. Wer sich noch nicht so recht traut, kann auch erst einmal zum nächsten Vorlese-Treff in der Stadtbücherei Kamp-Lintfort vorbeischauen.

Bericht von Sarah Dickel im Wochen-Magazin über die Vorlesearbeit von LesART:

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